Unterwasser-Rugby
 

Unterwasser-Rugby, das Spiel in drei Dimensionen, ist die jüngste Tauchsportdisziplin und entwickelte sich aus dem Bestreben, das manchmal langweilige Tauchtraining im Hallenbad durch Einbeziehung eines spielerischen Aspektes etwas attraktiver zu gestalten.

Im Herbst 1976 begannen erstmals in Österreich, und zwar in Wien, Taucher des Club Hydronaut Vienna (CHV) mit in Handtücher gewickelten Bleigewichten auf „Tore" - zwei auf den Beckenboden gestellte Sessel - zu spielen. Feste Regeln gab es nicht, erlaubt war fast alles, außer mit dem Ball aufzutauchen, und bald wurden die „Fetzenlaberl" durch Kunststoffbälle mit Bleischrot-Wasserfüllung ersetzt. Kurz darauf spielte man im Akademischen Sportklub Wien (ASC) mit einem Gummiziegel unter Wasser auf zwei im Becken versenkte Papierkörbe.

Völlig unabhängig davon begann der Tauchclub Salzburg (TCS) im Frühjahr 1978 mit „richtigem" Unterwasserrugby-Training. Die Taucher aus Salzburg wurden dazu von ihrem Clubpräsidenten, der diese neue Sportart schon in Deutschland gesehen hatte, angeregt. Am 14. Oktober 1978, anläßlich des „Tages der Offenen Tür" im Salzburger Hallenbad, konnte das erste Unterwasserrugbyspiel Österreichs angepfiffen werden.

Erst jetzt erfuhren die Wiener Taucher, daß sie nicht - wie ursprünglich angenommen - die Erfinder einer neuen Sportart waren, sondern daß „UNTERWASSER-RUGBY" in Deutschland schon seit den frühen 60er-Jahren nach festen Regeln gespielt wurde. Rasch beschaffte man sich dieses deutsche Regelwerk und organisierte für den 24. Februar 1979 das erste österreichische UWR-Turnier in Wien, die
„1. Offene Wiener Meisterschaft". Sieger wurde der CHV vor dem TC Nautilus Austria, der Uni Innsbruck und dem Club Atlantis Vienna.

Am 10. März 1979 nahm eine Wiener Auswahlmannschaft als erstes österreichisches Team an einem internationalen UWR-Turnier, dem „Kampf um den Bayerischen Löwen" in München, teil. Erstmals konnte internationale Wettkampfluft geschnuppert und die Spielweise anderer Mannschaften kennengelernt werden. Wertvolle Erkenntnisse aus diesem Turnier wurden später im heimatlichen Training umgesetzt und - man wurde nicht einmal Letzter, sondern belegte den 15. Platz unter 16 teilnehmenden Mannschaften.

Seit 1981 wird alljährlich die nationale österreichische Meisterschaft ausgetragen, die - seit der Anerkennung des UWR-Sportes als offizielle Sportart durch die Österreichische Bundessportorganisation (BSO) im Jahre 1983 - als
Österreichische Staatsmeisterschaft gilt. Diese Staatsmeisterschaft wird in Turnierform („Jeder gegen Jeden") im Rahmen einer Hin- (Salzburg) und einer Rückrunde (Wien) entschieden.


International werden von der CMAS seit 1978 im 2-Jahresrhythmus offizielle
Welt- und Europameisterschaften durchgeführt. Die Österreichische Nationalmannschaft nahm ab 1980 an allen diesen Bewerben teil und konnte dort schon achtbare Erfolge erzielen, so z.B. zwei 4. Plätze bei der EM 1981 und der WM 1991, jeweils in Kopenhagen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß diese Nationalmannschaft über all die Jahre bis zum heutigen Tag ganz besonders von den Wiener Sportlern - die meist rund 80 % des gesamten Kaders stellten - geprägt wurde.


Auch auf Vereinsebene ist der
Wiener Unterwasserrugby-Sport sehr erfolgreich: Der Unterwasser-Rugby-Club Wien (UWRC-Wien) entwickelte sich durch konsequente Aufbau- und Trainingsarbeit zum „Serien-Staatsmeister". Der sechs Jahre regierende Meister TC-Salzburg konnte 1991 entthront und der Staatsmeistertitel erstmals seit 1984 wieder nach Wien geholt werden. Und hier blieb er auch, én suite bis 2000. Darüber hinaus war und ist der UWRC auch bei zahlreichen internationalen Turnieren meist unter den drei Erstplazierten zu finden. Als Höhepunkte dieser Erfolgsreihe können sicherlich der Sieg beim „Kampf um den Bayerischen Löwen 1994" in München und zwei zweite Plätze beim „Champions Cup" 1996 und 1997, dem Europacup der Meister, bezeichnet werden.

Derzeit spielen folgende Nationen Unterwasser-Rugby und nehmen an internationalen Bewerben teil: Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark, Deutschland, Schweiz, Tschechien, Slowakei, Türkei, Ägypten, Kolumbien, Peru und Österreich. Aber auch in den USA wird schon längere Zeit UWR gespielt, und 1999 nahm erstmals eine nordamerikanische Auswahl an einer WM teil.

Aus diesem kurzen Überblick ist zu erkennen, daß unsere noch relativ junge Sportart seit 1976, ausgehend von Wien, in Österreich große Fortschritte gemacht hat. Dafür sei an dieser Stelle allen Beteiligten, insbesondere den Verantwortlichen im LTVW für ihr Vertrauen und ihre Unterstützung, vor allem aber den aktiven Sportlern und Trainern für ihren Einsatz und ihre Bereitschaft, den UWR- Sport weiter aufzubauen, sehr herzlich gedankt.