Tauchmedizin
Tauchmedizinische
Informationen

Dr. Erik Teumann (Verbandsarzt des LTVW): e.teumann@tele2.at

 

Apnoetauchen

Die Rekorde im Tieftauchen in Apnoe sind durch folgende physiologische Vorgänge möglich:

  • Residualvolumen: Durch sportliche Aktivitäten und Atemgymnastik ist die Elastizität des Brustkorbes und des Zwerchfells (Hochwölbungsfähigkeit) trainierbar und damit kann das Residualvolumen günstig beeinflußt (verkleinert) werden.

  • blood-shift: Durch die Abnahme der Alveolarvolumina (Volumen der    Lungenbläschen) kommt es zu einem relativen Unterdruck in der Lunge mit einem  vermehrten venösen Rückstrom in die Lungengefäße mit der Folge der  Volumsverkleinerung durch Vergrößerung des Gefäßvolumens.

  • lung-packing oder buccal pumping: Durch diese besondere Einatemtechnik kann die Totalkapazität um 2 – 3 Liter durch willentliche Überblähung der Lunge vergrößert werden, allerdings kann heute ein eventueller Langzeitschaden für die Lunge durch diese Technik nicht ausgeschlossen werden.

  • forced expiration: Durch extrem tiefes Ausatmen kann das Residualvolumen um einige hundert Milliliter reduziert werden, um beim Tieftauchen in Apnoe um diesen Wert weiter verringert zu werden.

  • Kohlendioxid CO2: Das CO2 ist der stärkste Auslöser für den Atemreiz, doch kann das CO2 einerseits vermehrt im Gewebe gespeichert werden, und andererseits wird im sauerstoffarmen Blut vermehrt CO2 gelöst (Haldane-Effekt). Weiters kann eine erhöhte CO2-Toleranz zum Tragen kommen.

Apnoeübungen unbedingt immer als Einzelübungen und unter Beobachtung eines in Rettungstechniken und Erster Hilfe erfahrenen Tauchers durchführen.

 

Dekompressionsphysiologie

Dekompressiontabellen

Mit dem Tod von Dr. Max Hahn sind leider auch die Berechnungsunterlagen für seine Dekompressiontabellen verloren gegangen. Mittlerweile sind zur Dekompression wieder sehr viele Fragen offen. So wurde z.B. auch die Einführung von Tiefenstops diskutiert, da beim technischen Tauchen in großen Tiefen die Tabellen für Sporttaucher nicht mehr sicher waren und diese Tiefenstops vor allem über das Internet propagiert wurden ohne einer entsprechenden wissenschaftlichen Grundlage. Allerdings kam es deshalb zu Modifikationen von bestehenden Dekotabellen, so zum Beispiel beim Algorithmus ZH-L 17 TS durch Einführung eines 17. Kompartiments mit sehr kurzer Halbwertszeit, welches für die Alveolen steht. Die Dekompressionsmodelle, die vor allem aus dem militärischen sowie aus dem kommerziellen Bereich (Offshore-Tauchen) stammen,  beruhen im wesentlichen auf drei Theorien: sättigungsorientierte, thermodynamische und blasenorientierte Modellstrukturen. Diese Tabellen galten wie bekannt nur eingeschränkt für Sporttaucher und wurden deshalb dementsprechend modifiziert. Fast alle Modelle beruhen auf statischen Annahmen, tatsächlich unterliegen wir jedoch dynamischen Regeln (Geschlechtsunterschiede, unterschiedlicher Fettgehalt, Wärmeregulation, Anstrengung, Angst mit Adrenalinausschüttung, etc.). Darüber hinaus dauert die Entsättigung stets länger als die Gewebsaufsättigung während des Tauchganges.

Ich möchte daher dringend darauf hinweisen, daß das Beherrschen der Tauchgangsberechnungen unter Verwendung von Dekotabellen unerläßlich ist, da durch das dadurch vorgegebene Rechteckprofil ein wesentlicher Sicherheitsfaktor gegeben ist, der bei der blinden Verwendung von Tauchcomputern, die jede Tiefenänderung miteinrechnen, wegfällt.

 

Gasblasenbildung

In einer Studie konnte gezeigt werden, daß die Gasblasenbildung unter anderem auch von den Faktoren Trainingszustand (je besser die Ausdauer ist, umso besser ist die maximale Sauerstoffaufnahmekapazität, desto geringer ist die Atemfrequenz [und damit auch die N2–Aufnahme] und desto besser ist auch die Durchblutung in den Geweben und umso besser kann N2 wieder abtransportiert werden), Alter (je älter, desto schlechter ist die Durchblutung im Gewebe, dieser Effekt beginnt bereits mit 40 Jahren) und Körpergewicht (je mehr Fettanteil, desto höhere N2–Aufnahme) sowie Blutfetten (auch Astheniker können hohe Blutfette haben, diese begünstigen die Blasenbildung im Blut) abhängig ist. Bekanntermaßen hat auch das Rauchen einen ungünstigen Effekt auf die Blasenbildung durch die verminderte Durchblutung der Gewebe.

Deshalb wäre es wichtig, seinen Körper stets in einem guten Trainingszustand zu halten sowie gesund zu leben (normales Körpergewicht, Nikotinabstinenz, auch am Abend vor einem Tauchgang nicht fett essen).

 

Dekompressionstheorie

Bei den vielen Dekompressionsalgorithmen möchte ich auf die von Prof. Bühlmann eingehen.

Die Tabelle ZH-L16 berücksichtigt 16 Gewebe mit einer Halbwertszeit von vier (Blut) bis 635 Minuten (Sehnen). Das heißt, daß ein langsam sättigendes Gewebe erst nach 635 Minuten die Hälfte des Stickstoffes bei vollständiger Sättigung wieder abgegeben hat. Nach sieben Halbwertszeiten spricht man von vollständiger Entsättigung.

Bei der Tabelle ZH-L17 wurde ein zusätzliches schnelles Gewebe in die Berechnung eingeführt mit einer Halbwertszeit von zwei Minuten (Alveolen).

Der von vielen Dekocomputern verwendete Algorithmus ZH-L8ADT berücksichtigt nur acht Gewebe aber dafür den Einfluß von Temperatur, Arbeit (Atemfrequenz) und die Mikrogasblasenbildung.

Ein Führungs- oder Leitgewebe ist ein Gewebe, das zum aktuellen Zeitpunkt den niedrigsten Umgebungsdruck symptomlos aushält. Gewebe mit kurzer Halbwertszeit tolerieren einen höheren Inertgasüberdruck durch Stickstoff als die langsamen Gewebe. Bei längeren TGs mit hoher Aufsättigung der Gewebe wird das Dekompressionsprofil immer vom Gewebe mit der längsten Halbwertszeit bestimmt. Bei einer teilweisen Sättigung verschiebt sich der noch tolerierte Inertgasüberdruck von Geweben mit einer kürzeren Halbwertszeit zu denen mit längerer (Führungs- oder Leitgewebe).

Da durch rechentechnische Gründe (log mit negativem Wert gibt es nicht) manchmal nicht alle Gewebe, insbesondere zur Berechnung der Flugverbotszeit, berücksichtigt werden können, gilt (für alle Tabellen, also für alle Computer): Niemals alles glauben, was der Tauchcomputer anzeigt, insbesondere dann nicht, wenn es besonders gut passen würde (z.B. kurze Flugverbotszeit). Es sollte daher zumindest 24 Stunden vor dem Flug nicht mehr getaucht werden!

 

Erste Hilfe

Defibrillatoren

Es ist derzeit ein Trend zur Verwendung von halbautomatischen Defibrillatoren wahrzunehmen. Es werden immer mehr öffentliche Gebäude bzw. Plätze mit solchen Geräten ausgerüstet werden. Es ist daher auch irgendwann damit zu rechnen, daß an einigen stärker frequentierten Tauchplätzen solche Geräte installiert werden. Diese sind im Prinzip so konstruiert, daß - wenn man der Bedienungsanleitung folgt - nichts falsch gemacht werden kann. Es ist aber trotzdem zu empfehlen, sich mit diesen Geräten vertraut zu machen, um wertvolle Zeit einsparen zu können bzw. auch die Scheu vor der Anwendung solcher Geräte zu verlieren. Solche Kurse werden von den Rettungsorganisationen angeboten. Als Vertreter des ASBÖ darf ich daher insbesondere auf die Wiener Telefonnummer 89 145 hinweisen.

 

Wiederbelebung

Vom ECR (European Resuscitation Council) wurden neue Richtlinien auf Grund großer internationaler Studien zur Wiederbelebung erlassen. Grundsätzlich gilt, daß alles, was bisher Gültigkeit gehabt hat, nicht falsch war, daß aber durch die neuen Richtlinien ein besseres Ergebnis für die Patienten zu erwarten ist. Im Prinzip ist der Algorithmus einfacher geworden.

  • Die Zwei-Helfer-Methode soll nur mehr von gut eingespielten Teams durchgeführt werden.

  • Algorithmus, wenn eine cardiale Ursache vorliegt (seitens des Herzens):

Ansprechen – Hilferuf – Kontrolle der Vitalfunktionen (Sehen, Hören, Fühlen der Atmung bei überstrecktem Kopf für max. 10 Sekunden; keine Pulskontrolle mehr) – 30 Herzmassagen (am Mittelpunkt des Brustbeines) – 2 Beatmungen – 30 – 2

Änderungen: keine Pulskontrolle, keine 2 initialen Beatmungen, keine Inspektion der Mundhöhle, aber offensichtliche Hindernisse wie Erbrochenes oder falsche Zähne entfernen, kein umständliches Suchen des idealen Druckpunktes am Brustbein, Rhythmus 30 : 2

  • Algorithmus, wenn eine pulmonale Ursache vorliegt (seitens der Lunge): Dieser Algorithmus gilt auch für alle Ertrinkungsopfer.

Ansprechen – Hilferuf – Kontrolle der Vitalfunktionen (Sehen, Hören, Fühlen der Atmung bei überstrecktem Kopf für max. 10 Sekunden; keine Pulskontrolle mehr) – 5 initiale Beatmungen – 30 Herzmassagen (am Mittelpunkt des Brustbeines) – 2 Beatmungen – dann 30 : 2 weiter

 

Implantate

Es wird in Zukunft immer mehr Taucher geben, die Implantate im Körper haben. Einerseits ist hierbei zu bedenken, daß Hohlkörper (z.B. implantierte Defibrillatoren, Herzschrittmacher, etc.) auch den Druckänderungen beim Tauchen unterliegen und deshalb verformt werden können. Die Geräte können dadurch schadhaft werden und ihren Sinn nicht mehr erfüllen. Andererseits unterliegen flüssigkeitsgefüllte Implantate (z.B. Brustimplantate, Hodenimplantate, etc.) auch den Sättigungsvorgängen und können eventuell auch dann Stickstoffblasen bilden und vielleicht sogar platzen.

Auch bei künstlichen Gelenken ist zu bedenken, daß bei einigen Modellen ein Kunststoff als Gelenkpartner beteiligt ist. Ob dieser Kunststoff auch den Sättigungsvorgängen unterliegt und durch das Tauchen dann einem mechanischen Schaden unterliegt bzw. es zu einer schnelleren Alterung und damit einem höheren Verschleiß kommt, ist derzeit nicht geklärt.

 

Kinder und Jugendliche

Nach Auswertung von Tauchunfällen mit Kindern und Jugendlichen durch die Universität Hawaii zwischen 1983 und 2003 können folgende Schlüsse vorsichtig gezogen werden:

Dekompressionsunfälle waren selten, verliefen aber mit beträchtlichen Schädigungen und hingen oft mit Fehleinschätzungen, Aufmerksamkeitsverlust, Verlust der Selbstkontrolle und Unerfahrenheit zusammen.

Man sollte Kinder und Jugendliche mit chronischen Krankheiten (Asthma, Diabetes mellitus, Krampfleiden, etc.) vom Neueinstieg in den Tauchsport abhalten.

Die Behandlungstabellen für die Druckkammerbehandlung, die für Erwachsene entwickelt wurden, führten in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle zu hervorragenden Resultaten.

 

Reisemedizin

Allgemeines

 

In fremden Ländern sind vor allem hygienische Maßnahmen zur Vermeidung von Erkrankungen ganz besonders wichtig. So sollte es zur Selbstverständlichkeit gehören, sich vor dem Essen die Hände zu waschen, um die Übertragung von Krankheiten (Durchfall, Hepatitis A, etc.) durch Schmierinfektionen zu vermeiden. Darüber hinaus gilt in der Reisemedizin, vor allem in den Tropen und in Ländern mit einem geringeren Sauberkeitsempfinden, eine alte Regel: "Cook it, peal it or forget it". Damit sollte auch vom Verzehr von Salaten, offenem Wassereis oder anderen "gewaschenen" Speisen Abstand genommen werden.

 

Impfstatus

Vor jeder Reise muß der Impfstatus erhoben werden. Insbesondere muß ein Schutz gegen Tetanus, Diphtherie, Polio und Pertussis (Keuchhusten) gegeben sein. Gegen diese Infektionskrankheiten gibt es Kombinationsimpfstoffe, d. h. daß mit einem Stich gegen diese Krankheiten geimpft werden kann. Zu empfehlen sind weiters Impfungen gegen Hepatitis A und Hepatitis B. Um die Infektion mit anderen Krankheiten zu vermeiden, gibt es eine Reihe von Impfstoffen, allerdings sollte diesbezüglich eine professionelle Beratung in der Impfambulanz am Institut für Tropenmedizin in 1090 Wien, Zimmermanng. 1A unter der Telefonnummer 403 83 43 von 9.00 bis 16.30 Uhr, in ausreichendem Abstand vor der Reise, am besten ca. 3 Monate vorher, eingeholt werden. Im Notfall kann auch noch unmittelbar vor einer Reise geimpft werden. Dies ist immer noch besser, als gar keinen Schutz zu haben.

Hilfreiche Informationen finden Sie auch unter folgenden Internetadressen:

http://www.reisemedizin.at ("Breaking News")
http://www.who.int (Weltgesundheitsorganisation WHO)
http://www.cdc.gov (Center for Desease Control, US-Behörde)
http://www.rki.de (Robert Koch Institut, BRD)

 

Langstreckenflüge

Bei Langstreckenflügen besteht die Möglichkeit, bei entsprechenden Voraussetzungen eine tiefe Venenthrombose zu erleiden. Eine Thrombose ist eine Verklumpung des Blutes, die durch folgende Faktoren begünstigt und vielleicht sogar ausgelöst werden kann:

  • Verlangsamung des Blutstromes,

  • Veränderung der Blutzusammensetzung,

  • Veränderungen der Gefäßwand.

Statistisch gesehen haben folgende Menschen eine höhere Wahrscheinlichkeit, eine Thrombose zu erleiden: Ältere, Übergewichtige, frisch operierte Patienten, Menschen mit Krampfadern, Raucher, Schwangere und Frauen, die die Pille einnehmen.

Das Problem ist nicht die Thrombose selbst, die zwar schmerzhaft ist, sondern eine durch einen gelösten Thrombus verursachte Lungenembolie, die sogar tödlich enden kann. Die Ursachen sind zu sehen in Ruhigstellung, enger gezwungener Sitzposition und Flüssigkeitsmangel. Es sollte daher bequeme Kleidung getragen, regelmäßige Bewegung im Flugzeug durch Umhergehen durchgeführt, viel getrunken (mind. 3 – 4 Liter in 24 Std. wegen der durch die Klimaanlage herabgesetzten Luftfeuchtigkeit) werden, jedoch keine Getränke, die zu Flüssigkeitsverlust (Alkohol, Kaffee, verschiedene Tees, etc.) führen, weiters Vermeiden von Nikotin. Auch sollte mind. stündlich ein Bewegungsprogramm im Sitzen absolviert werden. Bei entsprechenden Voraussetzungen sollten auch Stützstrümpfe getragen, bzw. bei manchen Reisenden auch eine Thromboseprophylaxe durch eine Spritze in die Haut durchgeführt werden. Auch aus diesem Grunde sollte vor einer Reise ärztlicher Rat eingeholt werden. 

 

Malaria

Eine der häufigsten Tropenkrankheiten ist die Malaria. Leider liegen auch sehr viele schöne Tauchgebiete in Malariagebieten. In Deutschland rechnet man mit ca. 1000 Erkrankungen pro Jahr durch den Tourismus. Man kann sich durch Medikamente entweder durch eine prophylaktische Einnahme schon vor Urlaubsantritt (um einen Wirkspiegel zu erreichen) und dann auch noch eine entsprechende Zeit nach der Heimkehr (um den Wirkspiegel so lange zu halten, bis auch alle Erreger im Blut und in der Leber abgetötet sind), oder durch eine stand-by-Einnahme bei Verdachtsfall, welche allerdings erfahrenen Urlaubern vorbehalten werden sollte, schützen.

Beim Tauchen sollte eher eine stand-by-Einnahme wegen der nicht erforschten Auswirkungen von Medikamenten unter Druck durchgeführt werden. Außerdem gibt es auch ein Medikament, das psychische Nebenwirkungen haben kann, welches allerdings auf Grund der Resistenzsituation manchmal eingenommen werden muß. Es ist daher unbedingt vor Reiseantritt eine entsprechende ärztliche Beratung einzuholen.

Grundsätzlich gilt allerdings beim Auftreten einer Malaria Tauchverbot.

 

Tollwut

In Österreich ist die Tollwut durch eine konsequente zweimal jährlich durchgeführte  Impfaktion mittels Impfköder so gut wie ausgerottet. 2004 gab es einen tollwütigen Fuchs, der allerdings auf eine Zuwanderung aus dem östlichen Ausland beruhte.

Die Tollwut ist nach wie vor eine tödliche Krankheit und wird durch den Biß eines tollwütigen Tieres durch Speichel in die Blutbahn des Menschen übertragen. Das Verhalten dieser Wildtiere ist durch eine besondere Zutraulichkeit auffällig. Außerdem sollten in fremden Ländern auch Haustiere (Hunde, Katzen, etc.) gemieden werden.

Es gibt eine Impfung als vorbeugenden Schutz, der allerdings besonders exponierten Menschen (z.B. Tierärzte) empfohlen wird. Weiters gibt es auch eine Impfung nach einem Tierbiß. Doch stellt sich hier die Frage der Verfügbarkeit und der Qualität dieses Impfstoffes im Ausland.

Der beste Schutz ist deshalb eine Vermeidung einer eventuellen Infektion.

 

Durchfall (Diarrhoe)

Durchfall kann von vielen Bakterien und Viren übertragen werden. Als Vorbeugung kann nur die obige Regel "Cook it, peal it or forget it" genannt werden. Sollte es trotzdem zum Auftreten von Durchfall kommen, kann als nicht-medikamentöse und wichtigste Maßnahme nur "viel trinken", vor allem eine von der WHO empfohlene Lösung, zu sich genommen werden. WHO-ORS: 1 Orange, 1 TL Zucker, 1 Prise Salz auf einen Liter abgekochten Wassers.
Weiters kann man Tierkohle (Carbo medicinalis) einnehmen, und zwar nach jedem Durchfall sechs bis sieben Stück. Tierkohle hat vor allem die Eigenschaft, auf Grund der porösen Struktur (große Oberfläche !) eine große Menge an Giftstoffen binden zu können. Substanzen, die auf Grund einer "verstopfenden" Wirkung zum Abklingen des Durchfalls führen, sollten nicht eingenommen werden, da dem Organismus die Ausscheidung von Giftstoffen erschwert wird.


Tetanus (Wundstarrkrampf)

Bei jeder noch so kleinen Verletzung (Abschürfung, blutunterlaufener Nagel, etc.) können Tetanuserreger in unseren Körper eindringen. Wenn bei ungeimpften Personen die Krankheit ausbricht, führt sie fast unweigerlich zum Tod. Als wirkungsvoller Schutz kann nur die Impfung angeboten werden. Sie bietet einen 100 %-igen Schutz !!!


Diphtherie

Diese Erkrankung befällt die Luftwege, die Erreger bilden ein Toxin (Gift). Als wirkungsvoller Schutz mit 100 %-iger Wirkung kann ebenfalls nur die Impfung empfohlen werden.


Poliomyelitis (Kinderlähmung)

Diese über Schmierinfektion übertragene Krankheit kann mit verbleibenden Lähmungen einzelner Muskeln oder Muskelgruppen durchgemacht werden. Mittlerweile ist in Österreich die "Schluckimpfung" nicht mehr erhältlich, sondern nur mehr eine Impfung mit weitaus geringeren Nebenwirkungen. Diese Erkrankung ist wahrscheinlich die zweite nach Pocken, die von der Menschheit ausgerottet werden wird. Bis dahin ist allerdings der Impfschutz noch aufrechtzuerhalten.


Pertussis (Keuchhusten)

Eigentlich eine sogenannte Kinderkrankheit, die allerdings auch für Erwachsene Komplikationen und Langzeitverläufe zur Folge haben kann. Auch hier schützt eine Impfung.


Hepatitis A

Bei dieser Erkrankung werden über Schmierinfektion Viren übertragen, die die Leber befallen. In der Regel nimmt diese Erkrankung einen gutartigen Verlauf, allerdings muß bei Erwachsenen auch mit Todesfällen gerechnet werden. Man sollte sich deshalb mit einer Impfung bei fast 100 %-igem Impfschutz schützen.


Hepatitis B

Auch bei dieser Erkrankung befallen Viren die Leber. Als Langzeitfolgen können Leberkrebs oder eine Leberzirrhose auftreten. Schutz bietet eine Impfung.

 

Tauchphysiologie

Es gibt Hinweise, daß gehäuftes Tieftauchen unter Kälteeinwirkung negative Einflüsse auf neuropsychologische Fähigkeiten haben kann. Es sollten deshalb nicht tiefe Tauchgänge mit Naßtauchanzügen in kurzen Abständen in kalten Gewässern (40 m in heimischen Seen) durchgeführt werden. Es scheint so zu sein, daß es durch die Kälte zu einer Erhöhung der Herz- und Atemfrequenz kommt und dadurch mehr Stickstoff aufgenommen wird, welcher dann eventuell bei der Tauchgangsplanung nicht entsprechend berücksichtigt wird und dadurch bei zu kurzen Dekopausen nicht abgeatmet werden kann. Langzeitschäden im Nervensystem können dadurch hervorgerufen werden.

Kälte kann bei einigen Erkrankungen zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen:

  • Asthma: kalte Luft (Preßluft) kann Asthmaanfälle auslösen
  • koronare Herzkrankheit (verengte Herzkranzgefäße): Kälte und Streß kann zu Angina pectoris-Anfällen führen (durch eine vorübergehende Zunahme der Verengung Beklemmungsgefühl und Atemnot)
  • Hypertonie (Bluthochdruck): Gefahr eines Schlaganfalls

 

Tauchunfälle

Ein Tauchunfall kann drei Ursachen haben:

Physiologisch: z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall, etc. unter Wasser. Diese extrem seltene Ursache ist nicht vorherzusagen. Dieses Risiko kann nur durch eine entsprechend gesunde Lebensweise (Nikotinabstinenz, kein Alkohol, ausgewogene Ernährung, etc.) und durch regelmäßige ärztliche Untersuchungen minimiert werden.

Technisch: z.B. Vereisung, Redundanz, etc. Diese Ursache ist schon etwas häufiger und kann nur durch den Einsatz einer den Umständen entsprechenden Ausrüstung in entsprechend gewartetem Zustand und regelmäßigem Training hintangehalten werden.

Psychologisch: z.B. Panik, etc. Die allermeisten Tauchunfälle haben ihre Ursache im menschlichen Versagen. Es ist daher unbedingt ein der Situation, der Ausbildung, der Tagesverfassung, etc. angepaßtes Verhalten zu fordern. Dieses Verhalten ist in der Ausbildung und durch regelmäßiges Training zu schulen. Durch viel Erfahrung können Situationen richtig eingeschätzt werden, doch ist auch das Gegenteil der Selbstüberschätzung von erfahrenen Tauchern immer wieder die Ursache für Tauchunfälle.

Viele mir bekannt gewordenen Tauchunfälle sind bei durchaus routinierten Tauchern vorgekommen. Sei es, daß die in den Kursen vermittelten Sicherheitsvorkehrungen auf Grund von Erfahrung und Routine mißachtet worden sind, sei es, daß mit neuen Tauchausrüstungsteilen ohne entsprechender Gewöhnung Tauchgänge durchgeführt wurden oder sei es, daß durch “Überheblichkeit” einfach Dinge übersehen werden.

Ich möchte exemplarisch den Tod des bekannten Dekompressionsforschers Dr. Max Hahn hervorheben.

Dr. Max Hahn hat sich auch mit Gasgemischen beschäftigt und war auch an der Entwicklung eines neuen Rebreathers sowie an entsprechenden Ausbildungsrichtlinien dazu beteiligt.

Dr. Max Hahn ist bei einem Rebreathertauchgang am 11.6.2000 gestorben. Bei der Ergründung der Unfallursache scheint es, daß er die Standzeit des Atemkalks falsch eingeschätzt hatte, wahrscheinlich, weil er den letzten eingetragenen Tauchgang im Logbuch auf einer neuen Seite übersehen hat. Aus diesem Grunde und aus der Beschreibung des Tauchunfalls durch seinen Tauchpartner, der bei einem Rettungsversuch beinahe selbst gestorben wäre, scheint es sich um eine CO2-Vergiftung gehandelt zu haben.

In diesem Zusammenhang möchte ich noch über die Schwierigkeiten zu denken geben, die entstehen können, wenn ein Taucher mit Preßluft taucht und nur im Umgang mit diesen Geräten ausgebildet ist und ein zweiter Taucher mit anderen Geräten (Mischgase, Rebreather, etc.) den Tauchgang durchführt. Der zweite Taucher taucht dann eigentlich alleine, da er bei einem technischen Gebrechen unter Wasser im Grunde genommen auf sich alleine gestellt ist.

Ich möchte auch noch auf gruppendynamische Prozesse hinweisen, denn nahezu alle Tauchunfälle sind auf menschliches Versagen zurückzuführen. Die Ursachen für Tauchunfälle können - wie oben bereits aufgezählt - im wesentlichen in drei Gruppen eingeteilt werden: Neben technischen, physiologischen und psychologischen Aspekten spielen eben auch gruppendynamische Prozesse eine wichtige Rolle. Dazu gehören unterschiedlicher Lernerfolg in der Ausbildung bzw. Leistungsstand, Meinungsmacher in Gruppen und die Sensibilität des Ausbilders, Übungsleiters, Trainers, Gruppenführers, Reiseleiters, etc.  Es ist daher ganz enorm wichtig, durch positives Verhalten ein Vorbild zu sein bzw. auch solche hervorzuheben.

Es gibt in Österreich derzeit drei stationäre Druckkammern unter folgenden Notrufnummern:

Univ. Graz: 0316 / 385 / 2803

Univ. Wien: 01 / 40 400 / 1001

KH Friesach: 04268 / 2691 / 2830  (keine 24-Stunden-Bereitschaft)

Als Leiter der Druckkammer an der Univ. Wien fungiert Hr. Prof. Dr. Harald ANDEL.

Herr Prof. Andel steht auch für die Besichtigung dieser Druckkammer zur Verfügung und ersucht bei Bedarf um Terminvereinbarung per e-mail: harald.andel@medunivwien.ac.at.

 

Wärmeverlust

Bei einem TG von 20 Minuten in 30 m Tiefe in 4° C kaltem Wasser mit einem 7 mm-Tauchanzug beträgt der Wärmeverlust über die Atmung 4,4 %. Dagegen kann der Wärmeverlust bei einem 7 mm-Tauchanzug aus hochwertigem Neopren um 38 % reduziert werden.

Daraus ergibt sich, daß der Wärmeverlust über die Atmung zu vernachlässigen ist, jedoch beim Kauf eines Tauchanzuges auf die Neopreneigenschaften  hoher Wert gelegt werden sollte, insbesondere soll die Blasengröße im Material gering sein.

  

Dr. Erik Teumann

Verbandsarzt des LTVW


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Druckkammer im AKH Wien

Seit Herbst 2003 gibt es im Wiener AKH eine "aufblasbare" Druckkammer, die auch für die Behandlung von Tauchunfällen geeignet ist.
Die Druckkammer ist unter der Tel. Nr. 01/ 404001001 zu erreichen. Außerhalb der Dienstzeiten wird von der Leitstelle der zuständige Arzt alarmiert, der innerhalb von wenigen Minuten zurückruft (Rückrufnummer bereithalten!). Behandlungen in der kleineren, transportierbaren Vorkammer sind bis 50m (sogar mit Heliox) möglich.
Die größere Kammer reicht immer noch für Tauchgänge bis 20m und ist somit für die häufig angewendete US-Navy-Behandlungstabelle 6, die eine Kammertiefe von 18m erfordert, geeignet.

Martin Denison / ASC